[Rezension] „All die Farben, all das Licht“ von Cora Wucherer

„All die Farben, all das Licht“, Cora Wucherer
Herausgeber: Klett-Cotta
Hardcover, 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.07.2026

Ich liebe Geschichten, in denen Kunst eine Rolle spielt. Geschichten, die mich die Liebe zur Kreativität und zur Malerei spüren lassen und die vielleicht sogar noch ein bisschen Kunsthistorisches Wissen vermitteln…
Doch „All die Farben, all das Licht“ ist nicht nur ein Buch über die Liebe zur Kunst… es ist so viel mehr!
Ein Buch über Geschwister Rivalität und Geschwisterliebe, über Selbstfindung und Schicksalschläge, Familienzusammenhalt und Hoffnung in einer scheinbar ausweglosen Situation. All diese Themen packt Cora Wucherer in eine wunderschöne poetische und manchmal sogar philosophischen Schreibstil, mischt alles mit einem Roadtrip und hat mir damit unvergessliche Lesestunden beschert!
„Du kannst alles sein, was du willst. Vergiss nicht, das Traurigste auf der Welt ist vergeudetes Talent. Du kannst alles Talent der Welt haben, aber wenn du nicht das richtige tust, dann passiert nichts. Aber wenn du das Richtige tust, dann passiert was Gutes, hörst du?“ S. 307
Doch worum geht´s jetzt eigentlich genau?
„All die Farben, alle das Licht“ erzählt die Geschichte von der siebzehnjährigen Juna und ihrer dreizehnjährigen Schwester Martha. Beide Leben mit ihrem alleinerziehenden Vater in einfachen Verhältnissen. Sie teilen sich ein Zimmer und verzichten auf vieles, weil das Gehalt des Vaters einfach nicht mehr ermöglicht. Die beiden Mädchen können auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein, aber vielleicht sind sie sich in manchen Dingen doch ähnlicher als sie manchmal selbst glauben wollen.
Juna liebt die Malerei, hat großes Talent und ihr größter Wunsch ist es einmal in die Fußstapfen ihres Idols Traute Rose zu treten.
Dann verändert eine furchtbare Diagnose allerdings ihre Zukunftspläne und Juna weiß plötzlich gar nicht mehr, wer sie ohne die Malerei eigentlich ist und stellt sie die Frage: Kann man Kunst studieren, obwohl man immer mehr erblindet?
Martha hingegen ist ein kleiner Wirbelwind und ich habe sie von Anfang an in mein Herz geschossen. Durch die Krankheit ihrer großen Schwester hat sie oft das Gefühl gar nicht wirklich gesehen zu werden, hat aber natürlich selbst mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Wie lebt es sich als junges Mädchen mit dem Gefühl für den Tod seiner Mutter verantwortlich zu sein? Und warum geht ihr das hübsche Mädchen aus dem Kino einfach nicht mehr aus dem Kopf?
Zwei Schwestern, die sich am liebsten manchmal gegenseitig an den Hals gehen möchten, ein Vater, der trotz Überforderung immer versucht das Beste zu tun und ein Roadtrip nach Schweden, der die gesamte Familie spüren lässt, wie wichtig jeder Einzelne ist…
Ich habe einfach jede einzelne Seite dieses Buches geliebt. Die Charaktere wirken so echt und wurden von der Autorin so einfühlsam beschrieben, dass ich mich beiden Mädchen beim Lesen so nah gefühlt habe und immer wieder ein Tränchen verdrücken musste. Trotz der ernsten und manchmal traurigen Themen steckt dieses Buch so voller Hoffnung und magischen Momenten, dass es einem am Ende doch ganz warm ums Herz wird.

Absolute Leseempfehlung, auch wenn euch das Kunstthema nicht so anspricht. Es ist wundervoll, die Entwicklung der Charaktere miterleben zu können und Juna und Martha auf ihrer Reise zu sich Selbst und nach Schweden zu begleiten.

